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ehemals Württembergischer Verein zur Förderung der humanistischen Bildung e.V.

Donnerstag, 28. November 2019

We love Greta – or not?   Teil II

Pünktlich zum „4. Global Climate Strike“ (29. November) erscheint hier der zweite Teil der Aufsatzreihe „We love Greta – or not?“. Wer hätte es geahnt: Der jugendliche Klima-Streik unter dem Motto „Fridays for Future“ (FFF) erweist sich anscheinend als eine zählebige Bewegung! Manche freuen sich über das progressive Engagement der Jugend; manche beunruhigt der Umstand, daß dort auch systemkritische, überdies noch apokalyptische Stimmen laut werden. Spätestens seit der fulminanten, unerbittlichen UNO-Rede Greta Thunbergs im vergangenen September ist gar von einer möglichen „Radikalisierung der FFF-Bewegung“ die Rede.
Was wären aber die adäquaten Kommunikationsformen für diese Protestler? Kann es überhaupt eine angemessene „Rhetorik“ für einen progressiven Diskurs geben? Für die Beantwortung solcher Fragen sind laut unserem Gastautor Paul M. Wakai zweierlei Kriterien maßgebend:
1. Orientierung an einem differenzierten Fortschritts-Begriff;
2. kritische Rückbesinnung auf humanistische Überlieferungen.
Bei der Betrachtung der Redegewalt Greta Thunbergs kam Wakai im Teil I. der Artikelserie zum folgenden Schluß:
„Es ist eine Rhetorik, die zunehmend die zugespitzte Klima-Debatte in der Allgemeinheit entscheidend mitprägt. (…) Gerade diese Art von „Stärke“ kann sich aber auch, langfristig gesehen, als eine tückische „Schwäche“ erweisen.
Wo liegt aber die besagte „Schwäche“ in der Klima-Rhetorik Greta Thunbergs? Kann es aus der humanistischen Perspektive hierzu auch noch bessere Alternativen geben? Und überhaupt: Was heißt „Fortschritt“ im humanistischen Sinne?


Lehrmeisterin der „Zuspitzung“

So leicht läßt sie sich nicht von anderen vereinnahmen ...
Wahrlich, Greta Thunberg ist eine Meisterin der Zuspitzung: „Wir werden Euren Verrat niemals verzeihen!“ – so ihr tribalistisch-aggressiver Duk­tus, der sich im Kontext der Aufmerksamkeitsökonomie als hoc­heffizient erweist. Ihr moralischer Eifer, glühend-apodiktische Gewißheit sowie erbitterte Klar­heit, für die richtige Sache zu kämpfen – wer ließ sich nicht davon in irgend­einer Art (i.e. sei es „positiv“ oder „negativ“) beein­drucken? Unsere ganze Welt scheint schon zumindest in zwei Teile zu zerfallen: in das Lager der Greta-Fans sowie in das der Greta-Hasser. (Und der mögli­cherweise dritte Teil besteht aus denjenigen Personen, die – insbesondere in bildungs­fernen Milieus – immer noch überhaupt nichts mit dem Klima-Thema anfangen können.)

Fakt ist, daß solch zugespitztes Denken im kurzfristig effektiven „Freund-Feind-Muster bereits in zahlreichen sozialen Bewegungen zu beobachten war und ist. Wer aus der mittelalten Generation erinnert sich nicht beispielsweise an manch „männerfeindliche“ Reden aus dem feministischen Lager?


„Schwächen“ des tribalisierten Diskurses

Doch hat sich eine derartige Rhetorik allenfalls als nicht weitsichtig genug erwiesen, zumal es bei solchen
Verfechter des Freund-Feind-Denkens
Carl Schmitt (1888 - 1985)
Bewegungen im Kern darum gehen sollte, soziale Strukturen aufzubrechen, welche – beispielshalber am emanzi­patorischen Modell betrachtet – die Menschen in ihre jeweiligen traditionsmäßig definierten Rollenmuster hineinzwingen. Ein gesellschaftlicher Diskurs, der lediglich nach tribalistischem „Freund-Feind-Muster funktioniert und das systemische Ganze ausblendet, zeigt somit grundsätzlich seineUnzulänglichkeiten“.

Was heißt „Fortschritt“?

Im Sinne eines progressiv-aufgeschlossenen Gesellschaftswandels reicht es nämlich über­haupt nicht, irgendeine Gruppenidentität (am Beispiel des Feminismus: „Männer“; ansons­ten oft: „alte weiße Männer“; besonders fragwürdig: „Faulenzer“, „Neger“, „linke Zecken“ etc.) zu stigmati­sieren und zu diskreditieren. So gilt letzten Endes für sämtliche humanen, progressi­ven Bewegungen, das Wohl ausnahmslos jedes einzelnen Men­schen („humanitas“) umfas­send im Blick zu behalten und im Sinne aller die gesell­schaftlichen Rahmenbedingungen schrittweise zu verbessern.

Zivilisationskritiker mögen behaupten: „Fortschritt führt ins Unglück.“ Postmodernisten verneinen lieber die Daseinsberechtigung dieses Begriffes. Für etliche Humanisten stellt sich hingegen die Frage: „Was istwahrerFortschritt?“ (= „Wahrheit“ ist freilich eine Idee, die zumeist mit schelmischem Vorbehalt zu handhaben ist.) Aus universalem, humanistischem Blickwinkel heraus ergibt sich jedenfalls, daß nur das als „fortschrittlich“ gelten kann, was der allgemeinen Menschheit (ad unum omnes & unusquisque) zugute kommt – ein normativer Anspruch, der sich durchaus mit realen Herausforderungen der Geschichte messen kann.   

So hat beispielsweise der Fortschritt im gleichberechtigten Umgang der Geschlechter immerhin dazu geführt, daß die Lebensqualität für alle beteiligten Menschen befriedigender und ergiebiger wurde – d.h. nicht nur zugunsten der Frauen: Welcher Mann möchte denn da noch in einem Gemeinwesen leben, dessen repressives Klima schwer erträglich ist? In einer Gesellschaft, in der es sogar zum guten Ton gehört, im Rahmen des zwanghaft vorgeschriebenen Ehelebens seine Gattin hin und wieder zu schlagen und zum ungewollten Sex zu zwingen? In einer Partnerschaft, in der es wesentlich um das Durchexerzieren von gesellschaftlich vorgegebenen Verhaltensmustern geht und keine neuen persönlichen Entdeckungen im gleichberechtigten, ergiebigen Miteinander mehr geben kann?

Humanistische Perspektiven

Der Begriff „Mensch“ ist wahrlich die entscheidende Handhabe, die unverkennbar zahlreichen progressiven Bewegungen in der (nicht nur) europäischen Geschichte zum Durchbruch verholfen hat. Ohne Vorarbeit der antiken Griechen läßt sich dieses Konzept allerdings
Inspirationsgeber der freisinnigen Humanität
Sokrates (469 - 399 BCE)
gar nicht denken. Ein kleines Beispiel aus Platons DialogMenon“ (vgl. 72 d ff.) mag uns einen guten Einblick darin geben, wie intelligent und fortschrittlich man schon damals mit dem Begriff umzugehen wußte. In jener Schrift spielt Menon den Part eines Konservativen, der u.a. für die Zementierung der Geschlechterrollen eintritt: Aus den sichtlich unterschiedlichen Funktionen, die Mann und Frau in der Gesellschaft ausüben, schließt Menon auf die angeborenen Fähigkeiten, die Frau und Mann angeblich voneinander unterscheiden, wobei dieser scheinbare Unterschied laut Menon wiederum als Kriterium für gesellschaftliche Rollenzuteilung für Mann und Frau herhalten soll. Sokrates, sein progressiv-liberaler Dialog­partner, denkt allerdings gar nicht daran, sich nach solch fraglicher Kategorie von Frau und Mann zu orientieren, stattdessen verweist er auf den Aspekt der Selbstbestimmung und die allgemeine Anlage der Menschen, sich Fähigkeiten und Tugenden anzueignen, und wagt den revolutionären Satz: „Πάντες ἄρ’ ἄνθρωποι τῷ αὐτῷ τρόπῳ ἀγαθοί εἰσιν.“ – „Alle Menschen sind also auf dieselbe Weise tüchtig.“ (73 c)

Diese humanistisch-universalistische Denkweise, welche die Belange aller Menschen ins Auge faßt, in der griechischen Antike geboren und erneut seit der europäischen Renaissance stets weiterentwickelt, sollte in der Menschheitsgeschichte voller Umwälzungen eine maßgeblich fortschrittliche Rolle spielen.
Wie kleinlich erscheint uns freilich der Zustand heutiger vermeintlich progressiver Debatten, wo es lediglich darum zu gehen scheint, die ganze Gesellschaft in immer kleinere Teilidentitäten zu zergliedern, um von denen die einen herabzusetzen und die anderen noch zu privilegieren! 

Notwendigkeit des Umdenkens

Mittlerweile haben wir uns leider sehr daran gewöhnt, vornehmlich in solchen kompetitiven Kategorien zu denken, wo es zwangsläufig Gewinner und Verlierer geben muß, so daß wir dabei sind zu verlernen, daß „wahrer“ Fortschritt schließlich allen Menschen zugute kommen soll. (Vgl. beispielshalber div. Reflexionen Marc Saxers, eines prom. Mitarbeiters der Friedrich-Ebert-Stiftung, dessen Blickwinkel teils erhellend sein mag, letzten Endes aber die festgefahrene Sicht unserer Zeit bestens zu repräsentieren scheint.) In diesem Sinne ist grundlegendes Umdenken angebracht.

Wird Greta Thunberg irgendwann auf die humane Idee kommen, ihre Rede so zu gestalten wie folgt: „Wenn Sie zu der kleinen Gruppe von Menschen gehören, die sich von uns bedroht fühlen, dann versichere ich Ihnen eines: Ihre Furcht ist vollkommen unbegründet! Welcher vernünftige Mensch kann denn wirklich Angst vor der Rettung unserer Lebensgrundlage haben?

Fortschritt und humanitas

So sollte auch die Idee deswahrenökologischen Fortschrittes „alle“ Menschen als potentielle Nutznießer der Entwicklung umfassen, zumal von den Folgeerscheinungen globaler Umweltbelastung ohnehin ja alle Erdenbewohner in irgendeiner Form betroffen sein würden. Es gilt, neue Technologien und soziale Rahmenbedingungen zu entwickeln, die allen Menschen es ermöglichen, eine wirtschaftliche Existenz ohne nennenswerten ökologischen Schaden aufzubauen  – für eine Gesellschaft, in der beispielsweise auch kein Unternehmer mehr befürchten muß, wegen ökologischer Rücksichtnahme ins Hintertreffen zu geraten oder andernfalls wegen der Vernichtung der Lebensgrundlage vieler von schlechtem Gewissen geplagt zu werden; und somit auch für eine Gemeinschaft, in der die sozio-ökonomische Entwicklung zur weltweiten Überwindung der Armut qualitativ besser instand gesetzt werden kann. Für eine Welt ohne unnötige Angst und Panik, aber mit besserer Lebensqualität für alle Menschen also.

„Einseitigkeit“ der Greta-Rhetorik

Ich will, daß Ihr in Panik geratet!“ – das ist Greta Thunbergs Diktion im Normalfall. Wie im Teil I dieses Aufsatzes ausführlich dargelegt, läßt sich ihr durchaus gewandter Redestil sehr wohl mit jener Angriffsrede Ciceros,
Greta im Panik-Modus
In Cati­li­nam“, vergleichen. Auch Cicero wollte mit der überaus aggressiven Rede, daß sein Gegenpart Catilina in Panik gerät und Rom verläßt. Frappierend sind da mancherlei Parallelen. (Gut möglich,  daß Gretas effektive Angriffsrhetorik grundlegend von historischen Vorlagen inspiriert wurde.)
Dabei gilt zu beachten, daß jener hitzige Redetext des zungenfertigen Konsuls gewissermaßen eine Ausnahmeerscheinung aufgrund mancherlei Abweichungen von der antiken Rhetorik-Lehre repräsentiert: Es fehlt nämlich anfangs die „captatio beneuolentiae“, in der eine Atmosphäre des Wohlwollens im Gesamt­publikum hergestellt werden soll; es fehlt auch eine ausgewogene „argumentatio“ bzw. „enumeratio“ samt der miteinander abgestimmten „confutatio“ (Widerlegung) und „confirmatio“ (Festigung), innerhalb derer sich der Redner mit den unterschiedlichsten Sichtweisen verschiedener Parteien auseinandersetzt – alles Redetechniken, die die pluralistischen Argumentationsformen kultivieren sollten. Dabei wußte der Meisterredner Cicero im Normalfall durchaus auch auf jene klassischen Muster zurückzugreifen. Für ihn, der die unterschiedlichsten Register in seiner Redekunst zu ziehen imstande war, stellte „In Catilinam“ (insbes. „oratio prima“) seinerzeit eine Art „Ausnahme-Modus“ dar.

Fruchtbringendes Potential des Humanismus

Eine zivilisiert-differenzierte Ausgewogenheit zu kultivieren, ohne
Vermittler humanistischer Denkungsart
 Georg v. Trapezunt                     Philipp Melanchthon
der gan­zen erbitterten Debatte die nötige Schärfe und Kontur zu nehmen, ist freilich ein bemerkenswertes Unterfangen der antiken Rhetorik gewesen, das in der Renaissancezeit erneut aufgegriffen, intensiv diskutiert und fort­geführt wurde – in jenem Zeitalter also, als überall in Europa neue politi­sche Kraft­zentren entstanden und die Autorität der Römischen Kirche als norma­tive Schaltstelle zunehmend radikal in Frage gestellt wurde.
Ausgerechnet als die Welt auffällig moderner, immer komplizierter und unruhiger, wenn nicht gar brutaler wurde, kamen etliche Menschen in Europa auf die intelli­gente Idee, sich auf die humanistische Erbschaft der Antike zurückzubesinnen, daraus lernend die verwickelten Auseinander­setzungen ihrer Zeit zu rationalisieren und hierfür die Sprache gründlich zu kultivieren.

Debatten brauchen Abstufungen: Nuancen, Grautöne, Schattierungen ... – eine eigentlich schon banale Maxime, zu deren Umsetzung wir freilich ohne anregenden Bildungshorizont und das entsprechende Handwerk eher schwerlich in der Lage sein würden.

Kultivierung der Sprache: Voraussetzung humanen Miteinanders

Latein-Fans mag der instruktiveEffekt“ irgendwie bekannt vorkommen: Jedwede Person, die in die Verlegenheit gerät, eine wohlproportioniert konstruierte Cicero-Periode zu entschlüsseln, kommt dabei automatisch mit der Möglichkeit in Berührung, soziale Geschehnisse in verschiedenen Teilfaktoren mitsamt ihrer komplexen Wechselwirkungen differenziert zu erfassen. Entsprechendes geschah auch damals: Die Auseinandersetzung mit der Sprachkunst der Antike lieferte im Zeitalter des Renaissance-Humanismus eine ideale Inspirationsquelle für ein besseres Wissens- und Konfliktmanagement.

Eben jene Hinwendung zum humanistischen Erbe haben wir heutzutage vielleicht mehr denn je nötig, zumal wir nicht mehr um die Tatsache herumkommen, daß nicht nur die junge Greta Thunberg, sondern auch so manche erwachsene Politiker populistischer Prägung dauerhaft ausschließlich im empört-aggressivenAusnahme-Modus“ zu sprechen verstehen. Man schaue sich nur die aktuellen britischen Parlamentsdebatten an; dann wird einem schlagartig einsichtig, welch trauriger Niedergang der einst hochgelobten parlamentarischen Redekunst in Großbritannien widerfahren ist.

Notwendigkeit differenzierten Denkens

Auch und gerade die sog. Klima-Debatte in der Öffentlichkeit erfordert eine hochentwickelte Rhetorik, auf deren einflußreichen Stellenwert Greta Thunberg immerhin mit ihren demonstrativen Auftritten aufmerksam gemacht hat. Bei einer wirklich nachhal­tigen Umwelt- sowie Energie-Politik ist es allerdings nicht bloß mit ein paar Sofortaktionen
„Quo uadis, nostra cara terra?“
getan; stattdessen ist langfristig angelegte, international gleichberechtigte Kooperation unter Beachtung fairer, demokratischer Grundregeln angesagt. Um einen langwierigen Diskurs hierfür öffentlich zu organisieren, ist es sicherlich nicht verkehrt, auch die entsprechende Rhetorik durchdringend zu kultivieren und auf ein „reiferes“ Stadium zu hieven.

Denn mit einer Debatte auf noch recht primitivem, unreifem Twitter-Niveau vermögen wir z.B. nicht die weltweiten Folgen einer möglichen Abkehr von fossilen Energiequellen zu erfassen: Was wird künftig aus der innenpolitischen Situation in den Gas- und Petrostaaten wie bspw. Libyen, dem Kongo, Angola, Osttimor oder Südsudan, die von solcher Entwick­lung existentiell betroffen sein werden? Müßten wir dort nicht mit schwer überschau­baren Desta­bilisierungs­prozessen rechnen, die sich zu regionalen Flächenbränden ausweiten könnten? Was passiert mit energiepolitischen Bündnissen wie dem Opec-Kartell? Werden wir durch mögliche bündnis­politische Auflösungsprozesse vielerorts mit zentrifugalen Kräften zu tun haben, was die Be­zähmung von interregionalen Konflikten erschweren könnte? Was bedeutet es für den inter­nationalen Finanzkreislauf (inkl. der Rentensysteme), wenn durch gravierende Umschich­tungen des Kapitalflusses (sog. Divestment-Bewegung) bisher lukrative Wertpapiere, die auf fossile Technologien und entsprechende Branchen setzen, radikal an Wert verlieren würden? Wie sieht überhaupt die Zukunft des globalisierten Kapitalismus aus? etc.

Wir sehen, die energiepolitische Obliegenheit läßt sich nicht einfach durch mikro-individuelle Vorsorge meistern, indem ein jeder von uns in Europa, den USA oder Japan ein bißchen auf Fleisch, Autos und Fliegen verzichtet.

Quid est humanitas?

All diese Beobachtungen führen uns erneut zum zentralen Anliegen des Humanismus: umfassendes Denken in komplexen Zusammenhängen zu schulen. Einen Versuch ist es ja immer wert, sich dabei vom partikularen Egoismus zu lösen und möglichst die universalen Belange der Menschheit im Blick zu behalten bzw., so die humanistische Empfehlung M. Tullius Ciceros, „Bildung“ und „Menschenfreundlichkeitmiteinander zu verknüpfen. Das menschliche Miteinander gedeiht aber nicht ohne eine differenzierte Diskurskultur, welche wiederum auf eine „reifeRhetorik angewiesen ist.  

Conclusio

Die Idee der „Reifung“ wieder zu entdecken – dies mag auch im Umgang mit unseren aktuellen Herausforderungen hilfreich sein. Joviale Stimmen aus der reifen Altersklasse mögen da freilich anmerken: „Vielleicht lernt die junge Greta in den kommenden Jahren noch, in ihren öffentlichen Auftritten
Hat noch eine weite & offene Zukunft vor sich ...
wie einst Cicero die unterschiedlichsten Register zu ziehen, den gesellschaftlichen Reflexionsprozeß hierdurch zu vertiefen und dereinst tatsächlich bei der strukturellen Ausgestaltung einer ökologisch nachhaltigen Zukunft produktiv mitzuwirken!“
„Wir wissen ja nicht, wofür sich Greta Thunberg im reiferen Alter interessieren wird“, mag hierauf eine verständnisvolle Stimme einwenden: „Ist es nicht ihr gutes Recht, abseits der öffentlichen Beobachtung alles Mögliche für ihre Zukunft erproben zu können?“ Anerkennend wird noch konstatiert: „Bedeutsam ist jetzt schon ihr Beitrag: mit ihren Auftritten den fundamentalen Stellenwert der Rhetorik für den sozialen Diskurs erneut ins öffentliche Bewußtsein zu bringen!“
 „Nein, Greta hat noch viel mehr erreicht“, ist vielenorts zu vernehmen: „Hoffnung und Zuversicht hat sie verbreitet und uns allen auf Erden gelehrt, was es wirklich bedeutet, sich für das Richtige zu engagieren!“
Es erschallt ringsum ein freudetrunkener Vorschlag: „Die Zeit ist reif: Für ihre Großtaten möge unsere Heilsbringerin schnellstens mit dem Friedensnobelpreis geehrt werden!“

Schade eigentlich: Für eine solche Auszeichnung ist die Zeit überhaupt nicht reif genug, denn „the politics and solutions needed are still nowhere in sight“, wie einst Greta Thunberg selbst festgestellt hat.

Es gibt also noch viel zu tun ... 

Finis

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